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Leo Franco unterschreibt bei Galatasaray Istanbul Drucken
Geschrieben von: Fabian Hoch   
Mittwoch, den 01. Juli 2009 um 21:55 Uhr
Was die Spatzen schon unlängst von den Dächern pfiffen, wurde am gestrigen Nachmittag Gewissheit. Nach fünf Jahren verlässt Leo Franco die Rojiblancos, nachdem man sich nicht auf eine Verlängerung des auslaufenden Kontrakts einigen konnte, und schließt sich dem türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul für die kommenden drei Jahre an. Dies verkündete der Tabellenfünfte der abgelaufenen Saison in der Süperlig am Mittwoch auf der offiziellen Website und sorgte somit dafür, dass der Argentinier zum vierten Abgang der Rojiblancos mutierte.

Unter seinem neuen Trainer Frank Rijkaard hat er einen alten Bekannten aus der spanischen Liga, da er etliche Male gegen das damalige FC Barcelona antrat. Bei dem Spitzenklub aus dem Südosten Europas, der in der UEFA-Cup Qualifikation antreten wird, wird der ehemalige argentinische Nationaltorwart Nachfolger von Morgan de Sanctis, dessen Leihvertrag auslief und wieder zurück zum FC Sevilla kehrte. Den medizinischen Check hat er bereits überstanden, so dass er sich am gestrigen Abend dem Trainingslager in den Niederlanden anschloss.

Viele Wochen geisterte das Gerücht um den 32-Jährigen Schlussmann in der spanischen und türkischen Presse umher, wobei das Vertragsende bei Atlético Madrid schlussendlich abgewartet wurde. Bis zum Schluss war nicht klar, ob der Torwart nicht doch eine für ihn zufriedenstellende Offerte präsentiert bekommt, jedoch entschied sich der Klub dagegen und erhöhte dieses nicht. Somit stehen die Colchoneros im Moment ohne Torhüter da, wobei der Transfer von Sergio Asenjo von Real Valladolid nahezu perfekt sein dürfte, während Eigengewächs David de Gea sich als Nummer 2 empfiehlt. Diese Entwicklungen werden sich in den nächsten Tagen klären.

Leo Franco absolvierte insgesamt fünf Spielzeiten am Manzanares und galt als einer der Leader in der Mannschaft. Er gehörte zu den Akteuren mit der meisten Erfahrung im Verein und bewies in all den Jahren ein konstant gutes Niveau und Zuverlässigkeit zwischen den Pfosten. Egal wie seine Konkurrenz lautete, die in den letzten beiden Saisons renommierte Namen wie Christian Abbiati oder Grégory Coupet waren, am Ende hatte er den Platz im Gehäuse sicher. Im Sommer 2004 stieß er vom RCD Mallorca aus zu den Colchoneros und etablierte sich alsbald als Führungsfigur. Insgesamt bestritt er 153 Spiele in der Primera División für Atlético Madrid, was ihm in der Liste der Torhüter den dritten Rang hinter seinem ehemaligen Coach Abel Resino, José Molina, Edgardo Madinabeytia und Miguel Reina einbringt. Des Weiteren absolvierte er zwölf Spiele im Copa del Rey, sowie 16 internationale Partien für seinen ex-Klub, wobei acht davon in der letztjährigen Champions League stattfanden. Mit seinen 301 Ligaspielen insgesamt ist er zudem der ausländische Schlussmann mit den meisten Partien in der Primera División.

In der letzten Saison hütete er das Tor der Rot-Weißen 32 Mal auf Ligaebene und war ein entscheidender Faktor dafür, dass schlussendlich doch noch das Ticket für die Champions League Qualifikation gelöst wurde. Insgesamt erwies er sich als eine der wenigen Konstanten im Team und daher tat sich großes Unverständnis auf, als bekannt wurde, dass der Kontrakt mit dem Gaucho nicht verlängert wird. Seine letzte Begegnung im Dress des Tabellenvierten der spanischen Eliteliga absolvierte er am 30.5. im Ligaspiel gegen UD Almería, da er bei der Reise nach Finnland nicht mehr dabei gewesen ist. Sein Debüt gab er 17.7.04 im UI-Cup Spiel beim tschechischen Vertreter FC Zlin, das 3:1 gewonnen wurde.

Mit dem Südamerikaner verlieren die Rojiblancos eine Ikone der vorangegangenen Jahre, die sich immer loyal und vorbildhaft verhielt. Sportlich wird die ehemalige Nummer 25 ersetzt werden können, jedoch dürfte der Einfluss auf das gesamte Team nur schwer zu überbrücken sein. Mit seiner ruhigen Art strahlte er Souveränität aus, auch wenn dies seine Vordermänner in der letzten Spielzeit nicht so spürten. Meist verhinderte Leo Franco schlimmeres und rettete seine Mitspieler. Ich ahnte dies, bereue aber nichts. Wir setzten uns Ziele und rückten nicht davon ab. In diesen Zeiten ist es schwierig solange bei einem Verein zu bleiben, doch ich war auch sechs Jahre auf Mallorca., sagte er am Freitagabend dem Radiosender Onda Madrid. Weiterhin sagte er zu seiner Zeit bei Atlético: „Hier wurde seit 1996 kein Titel mehr nach oben gereckt. Ich kam in das Calderón als es der Mannschaft nicht gut ging und wir haben es geschafft uns zwei Jahre in Folge für die Champions League zu qualifizieren. Hier lebt man alles auf eine andere Art, so dass der Einzug in die Königsklasse fast wie ein Titelgewinn ist. Galatasaray ist ein bedeutender Verein, der gemeinsam mit Barca und Porto am meisten an der Champions League teilgenommen hat und dies zog eine Menge Aufmerksamkeit auf mich.Zu seinem vermeintlichen Nachfolger Sergio Asenjo gab er zudem an: „Er ist ein großartiger Torhüter; ich habe ihn sehr gute Paraden machen und gute Vorstellungen abliefern sehen.


Gegenüber der spanischen Sporttageszeitung AS gab der ehemalige Torwart der Rot-Weißen ebenfalls ein Interview, welches wir nicht vorenthalten wollen.

Wir müssen über Abschied sprechen...

„So ist es. Mein Zyklus in Spanien endet und ich bin sehr zufrieden darüber was ich hier erreicht habe.“

Mit welchem Geschmack verlassen sie Atlético?

„Ich gehe glücklich. Ich habe fünf Jahre absolviert, die einen großen Fußabdruck hinterließen. Ich gehe zufrieden, da ich hier die Ziele erreicht habe. Ich bin der ausländische Torhüter mit den meisten Ligaspielen (301) und Fünfter in der Rangliste bei Atlético (153); dies sind Zahlen, die man ein Leben lang sicher hat. Ich verlasse eine zwölfjährige Reise durch Spanien.“

Glauben sie, dass sie García Pitarch ihren Weg im Verein nicht entsprechend geschätzt hat, wie sie es verdienten bezüglich der Vertragsgespräche?

„Ich bin 32 Jahre alt und suche nicht nach Fragen. Unsere Wege flossen nicht zusammen und daher trennen wir uns. Ich habe eine sehr große Zuneigung zu den Menschen von Atlético und hinterlasse ein großartiges Verhältnis zu Gil Marín und Cerezo.“

Sie haben fünf Jahre ein Atlético erlebt, das investiert und nun beginnt um große Ziele zu kämpfen. Bekümmert es sie genau jetzt zu gehen?

„Ich gehe gelassen, da ich die Geburt dieses Projektes mit der Unterschrift bei einem Konkursverwalter erlebte und ich gehe, wenn das Team zum zweiten Mal in Folge die Champions League erreicht hat. Nach einem langen lauf haben wir es geschafft drei Jahre hintereinander in Europa zu spielen. Während dieser Zeit habe ich meinen Teil dazu beigetragen, um diesen Klub aufzurichten und dies ist eine Befriedigung.“

In den letzten Monaten befragten wir sie immer wieder über ihre Zukunft, Atlético bewegte sich nicht und sie mussten jeden Sonntag auf den Platz gehen und alles geben. Wir haben sie diese Zeit erlebt?

„Genauso wie meine restliche Karriere, mit der höchstmöglichen Professionalität, was normal ist. Niemand kann mir etwas vorwerfen; ich bin auf das Spielfeld gegangen um alles zu geben, trotz der Intuition, dass ich nicht verlängern würde. Ich habe nicht versucht in den Vordergrund zu kommen; ich wollte Profi sein, was in diesem Beruf normal sein muss, auch wenn ich weiß, dass es manchmal nicht so ist.“

Grundsätzlich wird Asenjo ihre Lücke schließen, aber es gibt immer noch keine klare Lösung für den zweiten Schlussmann. Es gibt De Gea, Cuéllar, Roberto, Joel. Alles junge Torhüter, zu jung?

„Ich war sehr jung Stammtorwart und ich habe immer gesagt, dass die Jahre nicht die Erfahrung für einen Torhüter ausmachen; sie sichern dir nicht das Erlebte gleichzustellen. Die Fähigkeit zählt und all dies was ich gesagt habe, haben sie.“

Was überzeugte sie an der Offerte von Galatasaray?

„Man hat mir gesagt, dass sie mit Porto und Barca am öftesten an der Champions League teilgenommen haben und dies zog mich an. Es ist eine bedeutende Herausforderung, da Rijkaard ein anerkannter Trainer ist und ein gutes Projekt auf die Beine stellen möchte. Für mich ist es ein Schritt nach vorne, ein weiterer Anreiz in meiner Karriere. Galatasaray ist ein großer Verein mit dem Druck alles in ihrem Land gewinnen zu müssen.


Auch Mundo Deportivo gab er ein abschließendes Interview von seinem Urlaubsdomizil Palma de Mallorca aus und beantwortete die Fragen der Journalisten.

Die Tränen mit denen sie nach ihrem letzten Spiel als Colchonero in die Kabine kamen, bezeichnen ihre Leidenschaft für Atleti und ihren Wunsch den Klub nicht zu verlassen...

„Ich wusste, dass es mein letztes Spiel für Atlético war. In diesen Tagen war ich mir bewusst, dass meine letzten als Rojiblanco waren. Ich kam sehr bewegt in die Kabine, das ist richtig. Wir hatten das Ziel erreicht und mich überkam die persönliche Zufriedenheit mit der Gewissheit ruhige Menschen zu sehen, zu gehen und ich bemerkte, dass wir die gesetzten Ziele erreichten und das es allen gut ging. Es bewegte mich ziemlich. Es gab einige Tränen.“

Wann wussten sie davon, dass ihre Zukunft abseits des Manzanares liegt?

„Ich bin 32 Jahre alt, ausreichend um zu spüren welche Wegrichtungen der Klub einschlägt. Seit einiger Zeit fühlte ich, dass ich nicht bleiben würde. Ich versuchte bis zum letzten Moment so professionell wie möglich zu sein, abseits des Spielfeldes im Hintergrund zu bleiben und einfach mich selbst sein. Ich war besessen das Ziel mit des Vereins zu erreichen, was immer über dem persönlichen steht. Den Weg, den wir vor fünf Jahren begannen, endet.“

Welche Auswirkungen hinterlassen fünf Jahre Atlético?

„Ich schätze diese fünf Jahre sehr, die ich bei Atlético erlebte. Ich werde nie vergessen, dass ich mit einem Vermittler unterschrieb und der Vorstand uns aufforderte uns möglichst für den UEFA-Pokal zu qualifizieren. Ich gehe mit der Zufriedenheit zu sehen, dass sich eine wirkliche Änderung auf dem sportlichen und institutionellen Niveau produziert hat. Wir haben es geschafft uns dreimal in Folge für Europa zu qualifizieren, zweimal für die Champions League.“

Wie haben sie die Entscheidung des Vereins aufgenommen keine Anstrengung zu unternehmen mit ihnen zu verlängern?

„Ich werde Atlético und seinen Leuten immer dankbar sein. Ich kann niemandem etwas vorwerfen, es gab einfach keinen Treffpunkt in den Verhandlungen.“

García Pitarch bot ihnen eine Vertragsverlängerung an und bat um ein Treffen bevor sie bei ihrem neuen Klub unterschrieben...

„Zwischen dem Klub und mir behielten wir eine normale Verhandlung bei, ohne Diskussionen, ohne Kämpfe, in denen wir zu keiner Einigung fanden. Ich möchte keine Fragen stellen oder Antworten suchen. Über dieses Zusammentreffen mit Pitarch über welches sie sprechen, fand statt und diente zum Abschied; wir wussten beide, dass meine Zukunft abseits des Calderón liegt. Nach so langer Zeit verabschiedeten wir uns.“

Sie sind 32 Jahre alt und haben eine lange Karriere hinter sich. Was repräsentiert Atlético für sie?

„Hier in Spanien habe ich zwei Vereine. Mallorca und Atlético haben mich geprägt. Die Colchoneros repräsentieren für mich eine erreichte persönliche Herausforderung. Ich half dem Klub wieder in die Kategorie zu bringen, dem er entspricht und den er verdient.“

Man wird sie in Spanien mit keinem anderen Trikot sehen...

„Ich muss zugeben, dass viele Angebote von spanischen, wie auch ausländischen Vereinen kamen. Ich lehnte die Offerten, die mich sportlich nicht ansprachen ab, obwohl ich mich in Spanien auch in keinem anderen Trikot sah.“

Warum Galatasaray?

„Weil, als ich das erste Mal, als ich mit ihnen sprach, sie mich erschreckten, dass neben Barcelona und Porto Galatasaray, die Vereine sind, die am meisten an der Champions League teilgenommen haben.“

Rijkaard wird ihr neuer Trainer sein...

„Seine Präsenz war auch sehr wichtig für meine Entscheidung. Dies ist der zweite Grund, der mich zu dem türkischen Klub führt. Dass ein Trainer, der die Champions League gewonnen hat, bei diesem Klub unterschreibt, spricht über die Bedeutung und Ernsthaftigkeit des Projekts. Ich konnte ihn sehen und mit ihm sprechen, als ich in Istanbul war.“

Wir hoffen nicht in diesem Jahr, Galatasaray wird im UEFA-Cup spielen, aber stellen sie sich schon vor in der Champions League gegen Atlético zu spielen?

„Ich stelle mir vor die Spiele von Atlético über das TV zu sehen und mit Galatasaray zu spielen. Klar würde es mich begeistern wieder im Vicente Calderón zu spielen. Auch wenn es sich mit Sicherheit komisch anfühlen würde; ich wüsste nicht in welche Kabine ich gehen soll. Hoffentlich passiert es eines Tages.“

Was hält die Zukunft für den Verein bereit?

„Der Klub hat sich daran gewöhnt in Europa in der Champions League zu spielen. Atleti behält nun die Philosophie einer Mannschaft bei, die verpflichtet ist, um die ersten Ränge zu kämpfen. Der Klub ist gewachsen und sehr beständig. Die Zukunft ist förderlich, auch wenn es klar ist, dass man heutzutage nicht mit Real Madrid oder Barcelona mithalten kann. Diese Vereine kaufen was sie wollen und die anderen nicht.“

Es fehlte ihnen einen Titel in die Luft zu recken...

„Mich hätte es begeistert dies zu tun. Aber wir müssen realistisch sein. Du kannst nicht die Champions League gewinnen oder du hast sehr geringe Chancen es zu schaffen; die Liga ist sehr schwierig und im Pokal kommt es darauf an auf welchen Klub du triffst; uns erwischten die Vereine, die in den letzten Jahren gewannen. Es ist schwierig einen Titel zu gewinnen. In der Liga haben sich die Teams in den letzten Jahren ausgeglichen, doch nun bringt die finanzielle Power von Barcelona und Real Madrid diese wieder aus dem Gleichgewicht.“

Bei Galatasaray werden sie verpflichtet sein alles zu gewinnen...

„Ich dachte, dass es ihr Hauptziel war sich für die Champions League zu qualifizieren, doch man hat mir bereits gesagt, dass dies nichts zählt; wir müssen die Liga und den Pokal gewinnen. Wir müssen alles gewinnen und dies sorgt für Aufmerksamkeit und motiviert dich. Ich kann dieses Feuer löschen, was ich in mir habe; ich will Titel.“

Sie beenden ihren Zyklus in Spanien, als derausländische Torhüter mit den meisten Ligaspielen und den fünft meisten bei Atleti...

„Ich gehe mit dieser Referenz, etwas sehr bedeutendes. Nun suche ich andere Herausforderungen, aber ich bin sehr zufrieden. Atlético hatte Abel und Molina als großartige Vorbilder zwischen den Pfosten und anschließend folgt eine reduzierte Gruppe in der ich mich befinde.“

Abel wird weiterhin der Trainer sein...

„Ich finde dies sehr gerecht. Er kam in einem schwierigen Moment zu der Mannschaft und erreichte das Ziel. Warum sollte er nicht weitermachen dürfen? Ich finde das Jahr, das sie ihm geben perfekt.“
 

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