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500 Miles - Die Peña Tour nach Glasgow Drucken
Geschrieben von: Susanne Offermann   
Samstag, den 03. Dezember 2011 um 00:23 Uhr

Nach dem zwar nicht so erfolgreichen, dafür aber sehr spaßigen Ausflug zum Europapokal nach Rennes, stand dieses Mal eine Tour nach Schottland, zum Europa League Spiel gegen Celtic Glasgow, auf dem Programm. In der Hoffnung dieses Mal mehr als einen Punkt mit nach Hause zu nehmen, machten sich einige Leute der Peña Atlética Centuria Germana auf den Weg ins verregnete Schottland. Thomas und Felipe waren bereits am Montag eingereist. André und ich folgten den beiden am Dienstag. Mittwochs stieß auch noch Andreas zu der Gruppe. Kiril, der eigentlich auch mitkommen wollte, hatte kurzfristig absagen müssen.

Aus Ermangelung an Direktflügen (die einzige Möglichkeit nach Glasgow zu kommen waren entweder Flüge nach Edinburgh oder welche mit Zwischenlandung in Amsterdam, London oder Manchester) hatten sich André und ich für einen Flug Düsseldorf – Manchester – Glasgow entschieden. Auch wenn dies bedeutete eine Reise in die für jeden Kölner verbotene Stadt (Düsseldorf) zu machen. Für Atlético wurde dieses Opfer aber gerne gebracht.

Bevor die Reise jedoch richtig losgehen könnte musste man sich zunächst einmal stärken und suchte den Mc Donalds am Flughafen auf. André, in den ja bei 2 Metern Körpergröße einiges rein passt, musste hier erst einmal einen Big Tasty Bacon, einen weiteren Burger und einen Salat vertilgen ehe man sich auf den Weg machen konnte.

Auf dem Weg zum Flugzeug wurde einem dann doch direkt bewusst, wie vorteilhaft das Schengen Abkommen doch ist. Nicht nur, dass man für eine Reise nach Großbritannien Geld umtauschen musste, nein man musste sogar durch eine Passkontrolle mit skeptisch dreinschauenden Beamten und der Frage wozu man denn nach Großbritannien reisen will! Also sowas…

Zunächst ging es also – sehr zu meiner Beunruhigung – mit einer Propellermaschine nach Manchester. Hierbei wurde schnell festgestellt, dass die Flugbegleiterinnen von Fly.be scheinbar einen Kurs im Reimen belegt hatten. Da das Flugzeug nämlich nur halb besetzt war und einige Reisende die Gelegenheit nutzen wollten, um sich auf einen anderen Platz zu setzen, erklärte die Dame den Herren, wo man denn sitzen könne, mit einem „From six to nine is fine“.

Im leichten Nieselregen landete man dann in Manchester. Dort galt es erst einmal den richtigen Weg zum Anschlussflug zu finden. Der englischen Sprache mächtig folgte man einfach dem Schild „Flight Transfer“ und gelang so tiefer und tiefer durch einsame Gänge in die Katakomben des Flughafens. Letztendlich landete man dann in einem Raum, in dem ein paar Sofas standen und wo man mehrsprachig über ein Schild an der Wand aufgefordert wurde anzurufen, wenn man geholt werden wollte. Gesagt, getan. Allerdings machte die Tatsache, dass man ganz allein in dem großen Raum war, doch etwas unsicher und man ging noch einmal nach oben um nachzufragen. Es schien so aber doch seine Richtigkeit zu haben. Auf dem Weg zurück in den Warteraum wurde man dann schon von einem Busfahrer erwartet, der dann 2 Personen mit einem großen Bus einmal rund ums Terminal fuhr.

Da im Sicherheitsbereich des Anschlussflugbereichs dann auch überhaupt nichts los war nutzte man die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch mit dem Sicherheitsbeamten der zufällig ein Fan von Manchester City war. Die Wartezeit von 2 Stunden wurde dann damit überbrückt englische Leute am Flughafen zu beobachten und das erste Bier der Reise zu vernichten.

Auch der Weiterflug erfolgte dann in einer Propellermaschine. Dieses Mal hatte man aber auch einen offensichtlich schwulen Flugbegleiter dabei, der einerseits vom gesungenen Europapokallied angetan war und andererseits wohl auch etwas für André übrig hatte, wenn man sein Lächeln richtig deuten konnte.


In Schottland angekommen erwartete einen erst einmal – wer hätte es gedacht - Regen. Da der Flughafen relativ klein ist, fand man sich ziemlich schnell zurecht und landete auch direkt im richtigen Bus in die Innenstadt. Der Busfahrer war ein sehr netter schottischer Herr, der dann sogar noch den Weg zum Hostal erklärte als wir ausstiegen. Nach dem Check-In im Hostal wollte man sich dann direkt mit Felipe und Thomas auf ein Bier treffen und etwas essen gehen.

Zunächst gab es aber noch ein Problem zu lösen: Andrés I-Phone war leer! Fachmännisch planend hatte er sogar an einen Steckdosenadapter gedacht. Allerdings schien dieser einen kleinen Wackler zu haben, so dass man den Stecker in dem Adapter in Andrés Fall nach oben drücken musste damit das Handy lud. Bei meinem Handy (Samsung) hingegen, musste man den Stecker nach unten drücken damit es lud. Einfallsreich wie eh und je baute man sich dann eine Konstruktion aus wärmender Fußcreme auf Tempos damit man das Handy laden konnte ohne daneben sitzen zu müssen.

Auf dem Weg nach unten wurde die Reise jedoch schon unterbrochen denn man traf in der Lobby zwei St. Pauli Fans, die nach Glasgow gereist waren um sich das Spiel anzusehen. Diese erklärten uns, dass der Hotelpub scheinbar auch eine „No Colours“-Politik betrieb und somit keinerlei Fanutensilien duldete. Allerdings ging das in diesem Fall sogar so weit dass die Herren des Pubs verwiesen worden waren obwohl das St. Pauli Symbol (Schwarz auf antrazitem Pullover) kaum zu erkennen gewesen war. Aber gut. Dann wusste man dafür schon mal Bescheid. Nachdem Thomas und Felipe im Hotel eingetroffen waren um dann gemeinsam loszuziehen, ging es dann erst einmal in einen Kiosk um eine Flasche Wasser zu kaufen. Dabei stellte es sich heraus, dass der schottische Dialekt des Herren hinterm Tresen einer der Sorte war, den keine Sau verstand. Davon sollte man noch einigen begegnen.

Man entschied sich den Tag essenstechnisch so zu beenden wie die Tour begonnen hatte: Bei Mc Donalds. Diesmal aber „nur“ mit einem 20er Pack Chicken Mc Nuggets für jeden. Den Abend ließ man dann im Pub des Hotels noch gemütlich ausklingen, ehe es am nächsten Tag weiterging.

Den Tag des Spieles wollten André und Susanne nicht ungestärkt bestreiten. So ging es nach dem Duschen (inklusive Flutung des Badezimmers) erst einmal durch die Stadt auf der Suche nach einem guten schottischen Frühstück. In einem kleinen Pub wurde man dann zu einem akzeptablen Preis fündig. Die Tatsache, dass man in dem Laden sogar zum Frühstück und obwohl man die einzigen Personen im ganzen Laden war das Trikot ausziehen musste, ignorierte man gekonnt und aß dann halt ohne Trikot. Dafür war das Frühstück üppig und typisch britisch. So gestärkt beschloss man dann ein Ründchen durch Glasgow zu spazieren um dann im Mannschaftshotel bereits einmal die Karten zu holen. Festzustellen ist auf jeden Fall dass die Innenstadt von Glasgow definitiv keinen Schönheitspreis gewinnen mag. Schottland und das Umland scheint ja ganz schön zu sein, Glasgow ist es definitiv nicht. Dafür sind die Leute (die, die man versteht) wirklich nett.

Auf dem Weg zum Hotel lief man dann im Nieselregen und bei starkem Wind an einer Ampel Sergio Asenjo, Antonio Lopez, Gabi und Álvaro Domínguez über den Weg. Nachdem man uns als Atlético Fans identifiziert hatte, beschwerte sich Álvaro zunächst auf Spanisch über das bescheidene Wetter und die Kälte um sich dann anschließend nach unserer Herkunft zu erkundigen. Ich ließ mir die Gelegenheit nicht nehmen um dann ein Bild mit dem Spieler zu machen. Wenn man schon nicht Mario Suárez über den Weg läuft dann wenigstens Domínguez. In der Hotellobby stellte sich heraus, dass unsere Karten an der Rezeption hinterlegt waren. Diese, und meinem neuen Mitgliedsausweis, in Empfang nehmend, blieben wir dann aber doch noch auf eine Cola in der Lobby denn dort war es wenigstens warm und man konnte Enrique Cerezo beobachten der gerade ein Interview hielt.

In der Beobachterstellung verblieb man dann eine Weile. Bei dem Wetter draußen gab es eh nichts Besseres zu tun. Also konnte man auch sitzen bleiben und sich ansehen was passierte. Lange blieben wir nicht allein, denn bereits nach kurzer Zeit wurden wir von zwei jungen Herren aus Spanien angesprochen, die sich schließlich zu uns setzten. Da der größere von beiden ein bisschen wie Alvaro Domínguez aussah, wurde er ab dann nur noch „Alvaro“ von uns gerufen. Gemeinsam blieb man also in der Lobby und unterhielt sich in einer Mischung aus Englisch und Spanisch über die Situation im Club aktuell, den Trainer und die schlechtesten Spieler die der Verein je gesehen hat.

Nach und nach konnte man nun die Spieler beobachten, die zum gemeinsamen Mittagessen von ihren Zimmern im Glasaufzug nach unten, in den ersten Stock, fuhren. Festzuhalten ist, dass Juanfran wirklich aussah als hätte er das Mittagessen bitter nötig.

Schließlich fand sich mit Andreas nun auch noch ein weiteres Mitglied der Centuria Germana im Mannschaftshotel ein. Da er noch am gleichen Tag die Rückreise antreten würde, um Königsblau beim Heimspiel gegen Bukarest am Donnerstag bestaunen zu können, wurde sein Rucksack erst einmal ins Hotel gebracht. André, der im Mannschaftshotel gewartet hatte, hatte unterdessen Freundschaft mit dem Portier (einen Herrn im schwarzen Kilt namens John) geschlossen. Nach und nach fanden sich nun auch noch Gert (Twitter: @ssdshirt) aus Belgien mit einem Freund und der englische Peña unter Leitung von Antonio (Twitter: @tonijuno) im Hotel ein. Schließlich gingen dann nach und nach alle vom Hotel rüber auf die andere Straßenseite, wo sich einige Atlético Fans in einem Pub niedergelassen hatten. Dort setzte man sich auf ein Bier zusammen und quatschte gut gelaunt über das, was am Abend hoffentlich folgen würde. In diesem Zusammenhang traf man dann auch endlich Scott (Twitter: @atleticoglasgow) der es mit seinem Empfang des Teams in Glasgow auf die Tltelseite von AS geschafft hatte. Sogar Enrique Cerezo ließ es sich später nicht nehmen in dem Pub noch ein Bier zu sich zu nehmen.

Kurz vor Abfahrt der Mannschaft zum Stadion gingen die verbliebenen (die Briten hatten sich schon mit dem Taxi gen Stadion aufgemacht) Leute noch einmal herüber zum Hotel, um vielleicht doch noch das ein oder andere Bild zu erhaschen. Da es relativ voll in der Lobby und vor dem Hotel war, reichte es allerdings nicht mehr für Fotos, sondern nur noch zu einem Plausch mit Patricia (die Dame die für die Karten verantwortlich ist), Alex (der junge Mann der den Twitteraccount @atl_es managt) und dem Pressesprecher des Clubs. Dafür hatte André allerdings die Gelegenheit sich von Portier John noch einmal in die Kunst des Kilt tragens einweihen zu lassen. André müsste nun genau wissen wie lang ein Kilt zu sein hat, wie viel Abstand zu den Socken sein muss etc.

Nach einer kurzen Stippvisite im Pub machte man sich dann auf in Richtung Stadion. Da Felipe und Thomas zum Stadion laufen wollten, blieb es mit André, Andreas, Scott und mir bei einer perfekten Besetzung für ein Taxi. Leider war vor dem Taxistand an der Central Station eine ziemlich lange Schlange, so dass man schließlich doch mit dem Zug fuhr, der laut Celtic Homepage nur 5 Gehminuten vom Stadion entfernt sein sollte. Die 5 Gehminuten im leichten Regen stellten sich dann eher als 10 heraus. Diese führten auch noch durch Gebiet welches nicht gerade das Sicherheitsempfinden stärkte. Die Straßen glichen nämlich von der Optik eher Bosnien als Schottland und mangelnde Straßenbeleuchtung ließ jede Person die dort lang ging als eine finstere Gestalt erscheinen. Nachdem man sich dann aber doch mutig durch das Gebiet bewegt hatte und dann auch endlich den richtigen Eingang gefunden hatte, wurde man dann von den schottischen Sicherheitskräften mehrfach untersucht, da die Herrschaften sich scheinbar gegenseitig nicht trauten ihre Arbeit richtig zu tun. Nachdem André bereits beim ersten Sicherheitsmann die Pancarta einmal auspacken musste, wollte auch ein zweiter sie noch einmal sehen.

Im Stadion angekommen war es doch kühler als erwartet. Insbesondere der eisig wehende Wind, der durch das Stadion pfiff (und auch diversen Müll über das Spielfeld wehte), machten es alles andere, als einen molligen Abend im Celtic Park. Im Vergleich zu den Spielern stand man aber wenigstens trocken. Das Stadion war in Anbetracht des frühen Anpfiffs leider nicht mal annähernd voll. Dafür waren dieses Mal (im Vergleich zu Rennes) doch einige Atlético Fans mehr gekommen und mehr zur Freude gab es auch.

In der zweiten Hälfte wurden dann immer in dreier Gruppen Spieler zum Aufwärmen geschickt die sich dann gute 5 bis 10 Minuten warm machten. Reyes schien dabei jedoch alles andere als motiviert zu sein. Es zauberte ihm dann allerdings ein Lächeln auf die Lippen als die paar Leute von der Frente „Luis Aragones“ versuchten herbeizusingen. Als Resultat dessen bekamen die Personen dann sogar noch von einem Ordner das Trikot von Reyes gereicht, welches dieser dem Ordner gegeben hatte. Sein Verhältnis zum Trainer scheint alles andere als gut zu sein, wie es scheint.

Positiv ist auf jeden Fall vom Spiel hier zu erwähnen, dass ich es mit diesem Spiel im 6. Versuch endlich geschafft habe einen Sieg zu sehen. Nach 3 Niederlagen und 2 Unentschieden wurde es aber auch langsam einmal Zeit!

Nach dem Spiel ging es im nun strömenden Regen und bei stark wehendem Wind zurück zur Bahn und von dort aus zurück in den Pub vom Nachmittag. Dort ließ man dann gemeinsam mit Scott, Álvaro und seinem Freund sowie später noch Gert und seinem Freund, den Abend bei einem Bier (bzw. mehreren Bier) ausklingen. Es ist mal wieder festzuhalten dass es ein sehr, sehr schöner Abend gewesen ist und es immer wieder toll ist, was für eine tolle rot-weiße Familie die Atlético Fans doch sind!! Um einige Facebook Kontakte reicher gingen Andre und ich dann auch in unser quietschendes Hochbett (Um erneuten Attacken mit Kissen auszuweichen schlief ich oben).

Am nächsten Morgen beschäftigte ich mich erst einmal mit dem Aufholen alles dessen was man im Twitter so verpasst hatte sowie dem nachlesen der Spielberichte des Spiels während André weiter leise vor sich hin schnarchte. Mit dem Toursong geweckt konnte man ihn dann aber auch noch aus dem Bett lotsen. Via Twitter hatte man sich mit Antonio zum Frühstück in dem neuen „Stammpub“ (nämlich den vom Vortag) verabredet. Dort gab es für André noch einmal ein großes schottisches Frühstück während die Leistung des Vorabends noch einmal diskutiert wurde.

Zu meinem Unmut richtete sich fast das komplette Negative an Mario Suárez. Auch wenn dieser nun wahrlich nicht gerade eine seiner Top-Leistungen gebracht hatte und sein Stellungsspiel ohne Ball doch etwas … stark verbesserungswürdig … war, hatte er immerhin die drittwenigsten Ballverluste im gesamten Team und ein paar gute öffnende Pässe in der ersten Halbzeit gespielt!

Letztlich ging es dann aber schnell zurück zum Flughafen, wo André seine letzten Pfund in einen Schal für seine Freundin investierte, und von wo aus wir mit einer Propellermaschine nach Birmingham flog. Da wir uns dort allerdings nicht besonders wohl fühlten, waren wir doch beide froh als wir wieder ins Flugzeug steigen konnte. Mit etwas Verspätung landete man dann in Düsseldorf. Dort trennten sich dann unsere Wege, da wir uns nun beide mit der Bahn auf den Weg ins jeweils heimische Bett machten.

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