Das Fan-Interview zur Europa League: „Es gibt doch einen Fußballgott“
Seit 2003 gibt es in Deutschland einen offiziellen Fanklub des spanischen Erstligisten Atlético Madrid. Dessen Gründer, André Kahle, kennt sich bestens aus in Sachen Atlético. Beim Finalspiel in Hamburg fiebert der Deutsche kräftig mit. Im Exklusiv-Interview verrät er Goal.com Einzelheiten zum Kader und spannende Detalis über die Fankultur im Klub!
Hamburg. Im Finale der Europa League stehen sich heute Abend Atlético Madrid und der FC Fulham gegenüber. Beide Klubs sind in der Liga abgeschlagen, doch international in dieser Saison recht erfolgreich. André Kahle, der Präsident des Atlético-Fanklubs „Peña Atlética Centuria Germania" sprach mit Goal.com-Reporter Dirian El Amine über Atléticos größte Stunde. Atlético ist ein großer Teil meines Lebens Herr Kahle, Sie sind der Gründer des ersten deutschen Atlético-Fanklubs „Peña Atlética Centuria Germania". Was fasziniert Sie an diesem Verein so? André Kahle: Atlético Madrid bedeutet mir alles. Es ist die große Liebe, die man im Sport so haben kann. Atlético ist für mich ein großer Teil meines Lebens. Wie oft sind Sie denn in Madrid vor Ort, wie oft verfolgen Sie die Spiele im Vicente Calderon? A. Kahle: So oft wie möglich, was natürlich aus Deutschland aufgrund der Flugkosten recht schwierig ist. Es ist alles sehr teuer. Wir versuchen daher, bei jedem Europacup-Spiel dabei zu sein. Sonst fahren wir zu den Derbys und ab und an zu Spielen, die zeitlich einfach passen, wie zum Beispiel an Ostern gegen Deportivo. Die Fans wie eine Familie. Herr Kahle, Sie sind ja Experte was Atléticos Fankultur angeht. Sind die Anhänger eher kritisch oder einfach nur unglaublich treu? A. Kahle: Die Fans von Atlético Madrid sind überhaupt nicht kritisch, sie sind frenetisch und vor allem sehr treu. Als Atlético vor einigen Jahren in die zweite Liga abgestiegen ist, gab es den höchsten Zuschauerschnitt was die Dauerkarten anging. Es wurden fast 50.000 Dauerkarten verkauft. Das kann man sich für deutsche Verhältnisse gar nicht vorstellen: Der Rückhalt ist also riesengroß und das Besondere an Atlético Madrid ist, dass sich die Fans wie eine Einheit, eine Familie, fühlen. Alte Menschen, junge Menschen, Frauen, Männer - alle feiern, die Stimmung ist wirklich perfekt, grandios und super! Heute steht ja wirklich einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte an. Atléticos letzter internationaler Titel war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1962. Das ist nunmehr fast 50 Jahre her. Wie stehen die Chancen, heute einen Riesenerfolg einzufahren? A. Kahle: Gut! Atlético Madrid wird heute gewinnen. 2:1, vielleicht 3:1, mal sehen. Wir werden den ersten Titel seit Ewigkeiten holen. Dabei belassen wir es natürlich nicht. Nächste Woche hauen wir noch Sevilla weg! Davon bin ich absolut überzeugt. Ich habe heute schon Fulham-Fans getroffen. Die meinen auch, dass ihre Mannschaft gewinnt, aber Atlético wird das Rennen heute machen. Jetzt ist unsere Zeit gekommen Was macht Sie da so sicher? A. Kahle: Es wird Zeit. Es wird einfach Zeit. Wir Fans haben so viel durchgemacht in den letzten Jahren, jetzt ist unsere Zeit gekommen und uns wird alles zurückgezahlt. Es gibt nämlich doch einen Fußballgott. Eines müssen Sie uns aber nun erklären. Wie schafft es eine Mannschaft, mit nur zwei Siegen das Finale zu erreichen? Spielt Atlético etwa Ergebnisfußball? A. Kahle: Es war auf keinen Fall Ergebnisfußball, wir haben in den europäischen Wettbewerben einfach gut gespielt, insbesondere aus der Defensive heraus, was in der Liga oftmals nicht der Fall war. Aber man muss ganz klar sagen: In den europäischen Spielen geht es darum, wer am Ende mit der Auswärtstorregel weiterkommt. Ich sehe gar kein Problem darin, dass man mit einem Unentschieden weiterkommt. Man muss nicht immer gleich alles gewinnen. Heute gibt's nur ein Spiel. Heute müssen wir gewinnen und das werden wir tun! Kurz noch der Blick auf die vorige Runde, das Halbfinale. Was haben Sie gefühlt, als Atlético noch kurz vor Schluss im Rückspiel in Liverpool das entscheidende Tor geschossen hat und sich damit fürs Finale in Hamburg qualifiziert hat? A. Kahle: Ja, ich bin Deutscher und für mich war das natürlich ein Traum, in Deutschland ein Finale von Atlético Madrid zu sehen. Als dieser Ball von Forlan reinging, war das natürlich Erleichterung pur. Wir haben das genossen, jetzt sind wir heute in Hamburg. Hier müssen wir wieder ein Tor machen, oder besser mehrere, und dann wird gefeiert! Eine super Mannschaft Eine Frage noch zum aktuellen Kader. Welche Spieler haben in Ihren Augen diese Saison den größten Sprung nach vorne gemacht? A. Kahle: Ganz klar die jungen Spieler. Wir haben einen de Gea im Tor und einen Dominguez in der Innenverteidigung, die beide eine unglaubliche Saison spielen. Auch sonst haben sich einige junge Spieler gut entwickelt, was uns optimistisch in die Zukunft schauen lässt. Und verstärkt mit den Allstars Forlan, Agüero, Reyes und auch Simao haben wir einfach eine super Mannschaft. Und nur einmal angenommen Ihr gewinnt heute Abend: Wie sieht Eure Party aus? Wird der Champagner geköpft? A. Kahle: Das Problem ist ja, dass wir nächste Woche noch ein Finale haben. Deswegen werden die Feierlichkeiten der Mannschaft nicht ganz so groß ausfallen. Die Mannschaft fliegt nachts um 2.30 Uhr nach Madrid zurück. Aber wir werden natürlich feiern, wir werden das genießen. Und nächste Woche wird weiter gefeiert. Wenn wir dann die beiden Titel im Sack haben, dann fahren wir alle nach Madrid! Dann sind wir die einzige Mannschaft aus Madrid, die einen Titel hochhält!
Quelle: goal.com
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