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2005-05: Alle Neune im Calderón Drucken
Geschrieben von: Michael Queins   
Dienstag, den 16. Januar 2007 um 19:07 Uhr

Alle Neune im Calderón

Eine Kegeltruppe in Madrid

Wir, 8 Männer im besten Alter aus dem Rheinland, treffen uns regelmäßig (alle 3 Wochen) zum Kegeln in unserem Stammlokal "Kölsche Boor" im Herzen von Köln am Eigelstein. Der Kölsche Boor, ein Lokal mit schlechtem Service und leerer Theke, aber mit dem Vorzug, allzeit mit einer freien Kegelbahn aufzuwarten. Einfach perfekt für unseren Club.

Seit 10 Jahren belohnen wir unser Kegeln mit einem mehrtägigen Ausflug. Zum Jubiläum sollte der Ausflug etwas Besonderes darstellen. Um so schwieriger gestaltete sich der Entscheidungsprozess. Jede Menge Zielvorschläge, aber kein Ziel was die Mehrheit unseres Clubs so richtig überzeugen konnte. Da die Zeit drängte, mußte ein kompliziertes Punktbewertungsverfahren für Klarheit sorgen. Der Gewinner unserer Abstimmung war die Hauptstadt Spaniens "Madrid".

Schnell wurden daraufhin Flug und Hotel gebucht, so dass wir am 14.05.2005 nachmittags vom Kölner Flughafen gen Madrid abhoben. Nach der Taxifahrt vom Flughafen Madrid in unser zentral gelegenes Hotel El Coloso ging es dann ab in das Madrider Nachtleben. Samstagabend und sehr viele Menschen unterwegs. Um so schwieriger gestaltete es sich für uns ein geeignetes Lokal mit freiem Platz für 8 Personen zu finden. In der Nähe des Plaza St. Anna hatten wir dann Erfolg und fanden in einem Kellergewölbe Platz. Obwohl das Essen leider nicht so toll war wie von uns erwartet, hatten wir wie üblich viel Spaß.

Im Anschluß an unser Abendessen tauchten wir dann ab in die Madrider Szene und genossen die Atmosphäre bis zum frühen Morgen.

Der Morgen danach, wie häufig etwas beschwerlich, startete mit einem kleinem Frühstück bei Sonnenschein am Plaza St. Domingo.

Unsere Gruppe teilte sich daraufhin. Robert und Manni hatten sich mit unserem Kontaktmann, Antonio (Suky), am Atletico-Stadion verabredet, um Karten für das Spiel Atletico Madrid vs. Betis Sevilla zu erstehen. Im Vorfeld unserer Reise hatte Robert über das Internet Kontakt mit einem deutschen Fanclub (Anm. d. Red.: Dem PACG) des FC Atletico Madrid aufgenommen. Die Unterstützung von Seiten des Fanclubs und insbesondere von André (Husky) und Antonio war hervorragend, sympathisch und für uns einfach grandios.

Am Stadion trafen Robert und Manni auf Antonio und seine Freundin. Die Verständigung erfolgte in Deutsch und obwohl Antonio noch die Auswirkungen eines unfairen gegnerischen Einsatzes beim Fußball "im Gesicht trug", war es problemlos möglich, 8 Karten auf sehr guten Plätzen für das Spiel am Abend zu ergattern und auch schon eine erste Stadionbesichtigung zu genießen.

Der Rest der Gruppe bereiste unterdessen alle Linien des Madrider Stadtrundfahrtbetriebes. Neben den herausragenden Sehenswürdigkeiten und den wunderbaren Eindrücken der Stadt Madrid führte die Reise auch am Konkurrenzstadion von Atletico, dem Stadion "Santiago San Bernabeu", vorbei. Aufgrund des mit 9 Euro doch etwas übertriebenen Eintrittspreises und der Kürze der Zeit verzichteten wir auf eine Stadionbesichtigung und beließen es bei einem kurzen Blick auf den heiligen Rasen aus dem Fanshop der "Königlichen".

Am späten Nachmittag traf die Gruppe wieder am Puerto de Toledo, ein Platz in der Nähe des Atletico-Stadions "Vicente Calderon", zusammen und es ging auf zum Spiel Atletico Madrid - Betis Sevilla. Nach einem kurzen Fußweg am Stadion angekommen, erwarteten uns schon zahlreiche Fans in den Clubfarben rot, weiß und blau. Ein buntes Treiben mit wahnsinnig vielen Fanartikelständen (das gibt´s in Deutschland so nicht) und einer sehr ruhigen und entspannten Stimmung. Nach einer kurzen Bewunderung des Stadions von außen, das anders als zumeist in Deutschland ganz nah an Wohnhäuser grenzt, ging es ins Stadion auf unsere Plätze.

Die Sicht war hier hervorragend und gegen 19.00 Uhr konnte es endlich losgehen. Atletico in den Traditionsfarben rot, weiß und blau, Betis in grün weiß. Da Antonio uns auf die schlechte Atletico-Serie von 4 Spielen ohne Tor und dürftige Leistungen aufmerksam gemacht hatte, konnten wir uns den mäßigen Besuch des Spiels mit ca. 15.000 Fans nur dadurch erklären. Die Stimmung war von Beginn alles andere als südländisch und die Atletico-Mannschaft fand kaum Unterstützung von ihren Fans.

Leider setzte Atletico den Trend der letzten Wochen fort. Nach einem ziemlich verfahrenen Spielbeginn fiel nach einem Eckball von Betis recht unerwartet das 1:0 für Betis Sevilla durch den Brasilianer Oliveira. Wir alle hofften darauf, dass wir nun ein Aufbäumen der Atletico-Mannschaft um Fernando Torres, der zumeist bindungslos im Angriff herumtrabte, erleben konnten. Die Hoffnung hielt jedoch nur kurz an. Nach einem Handspiel im Atletico-Strafraum pfiff der Schiedsrichter einen zweifelhaften Elfmeter. Oliviera lief an und versenkte den Ball zum 2:0 im Atletico-Tor. Die Rojiblancos bemühten sich nach diesem 2:0 - Rückstand, blieben aber insgesamt harm- und wirkungslos bis der Schiedsrichter die Mannschaften in die Halbzeitpause schickte. Bis dahin war merklich, dass es bei Atletico wohl eher um die "goldene Ananas" ging. Betis spielte zwar nicht viel besser, aber wenigstens mit Ambitionen.

In der zweiten Halbzeit setzte sich das mäßige Spiel fort. Schönen Einzelaktionen folgten meist unkontrollierte Abspiele. Torchancen ergaben sich meistens aufgrund individueller Fehler der Abwehrreihen. Eine Ausnahme bildete der schönste Spielzug des Spiels von Atletico und eine hervorragende Einzelleistung von Melli, der den Ball in der 53. Minute zum 1:2 - Anschlußtreffer von einem Gegner abgefälscht im Betis-Tor versenken konnte. Bis auf einen Atletico-Schlussspurt, der durchaus noch zum 2 : 2- Ausgleich hätte führen können, blieb das Spiel auch danach schwach und zerfahren.

Trotzdem war das Spiel, das Stadion und auch die Atmosphäre, wenn sie auch sicher viel, viel besser hätte sein können, ein tolles Erlebnis und einer der Höhepunkte unserer Reise nach Madrid.

Den Abend ließen wir in einem Restaurant in der Nähe der Opera mit leckeren Tapas und Steakgerichten sowie ein paar Bierchen und Schnäpsen im Herzen Madrids ausklingen.

Der Montag stand im Zeichen des Stierkampfs. Wir alle waren zwar schon im Vorfeld aufgrund der Behandlung der tierischen Hauptdarsteller skeptisch, ob man eine solche Veranstaltung besuchen sollte, entschlossen uns aber trotzdem zu einem Besuch. Auf dem Programm stand eine "Gran Novillada con Picadores", eine Veranstaltung mit Nachwuchskräften des spanischen Stierkampfs.

In der voll besetzten Arena verfolgten wir in Zwangshaltung - die Sitzverhältnisse waren extrem beengt - den ersten Kampf. Für uns alle war es schlimmer als erwartet. Der Stier hatte von Anfang keine Chance und fand nach erfolglosem, tapferem Kampf den Tod. Die Brutalität des Prozederes lief uns kalt den Rücken runter und der ein oder andere spielte mit dem Gedanken die Arena bereits nach der ersten Runde zu verlassen. Der Gruppenzwang und die Enge hielten aber alle an ihren Plätzen und so verfolgten wir das in immer wieder gleichem Prozedere durchgeführte Schauspiel. Es war fast eine Genugtuung, dass hin und wieder auch mal ein Torero oder Banderillero die Hörner des Stiers zu spüren bekam. Insgesamt war es trotz allem ein Erlebnis, das eine gewisse Faszination ausstrahlte. Dennoch wünschte sich der überwiegende Teil der Gruppe keine Wiederholung.

Den Abend ließen wir in einer Cerveceria in der Nähe der Stierkampfarena ausklingen. Nächster Hightlight des Abends waren Biertische mit integrierter Zapf-/ Spülanlage und einem für alle Gäste sichtbarem (Verbrauchs-)Display. Nach kurzer Zeit hatten wir die Führung im Bierverbrauch deutlich übernommen und gaben diese natürlich bis zum Ende nicht mehr ab.

Den letzten Tag verbrachten einige im Museo del Prado oder im Königspalast und mit einem Shopping-Bummel beendeten wir unseren kurzen aber intensiven Madrid-Ausflug. Wir alle werden die spanischen Hauptstadt, mit ihren stets gut gelaunten Menschen, der allerorts spürbaren Dynamik und der unübertroffenen Stimmung in hervorragender Erinnerung behalten. Madrid, wir kommen zurück!


Dieser Text stammt von Michael Queins. Er ist kein Mitglied des Peña Atletica Centuria Germana. Wir bedanken uns recht herzlich für diesen tollen Text. Wenn Sie auch einmal in den Genuss eines Atlético Spiels kommen wollen oder uns einen Beitrag wie diesen zukommen lassen möchten, melden Sie bitte über das Kontaktformular bei uns.
 

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