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2006-03: März Tour des PACG Drucken
Geschrieben von: PACG - Hannah Janz und Nina Haftmann   
Dienstag, den 16. Januar 2007 um 19:08 Uhr

Madrid März 2006

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PACG Tour #01 2006 Bildergalerie
Aller Anfang ist schwer: Nachdem Nina noch schnell unsere Interviewfragen abgetippt und ausgedruckt hatte und ich, Hannah, unsere Peña-Fahne fertig gemalt hatte, nahmen wir die letzte Portion Schlaf zu uns. Gestartet am nächsten Morgen in Osnabrück, kamen Nina und ich nach neun Stunden endlich im Hostal Lopéz in Madrid an. Zwar war die gesamte Reise komplikationslos verlaufen, dennoch plagten uns Hunger und Durst. Also gingen wir uns nach kurzem Einrichten im Zimmer, erstmal einen Burger bei selbigem King einverleiben. Während wir dort saßen, diskutierten wir die zuvor draußen gesehene Verwunderlichkeit: Hunderte von Menschen hatten sich in Schlangen die Calle de las Huertas herauf aufgestellt, ganz ruhig.
Cerro del Espino
Da das ganze verdächtig nach Feiertag roch, fragte Nina der Sicherheit halber bei unserer Rückkehr im Hostal noch einmal nach, schließlich hatten wir uns noch kein Wasser zulegen können. Herauskam, dass die Menschen draußen auf den morgendlichen Einlass in die Kirche zum Beten warteten, wie es am ersten Freitag im März immer sei. Die Läden seien aber nicht geschlossen. Etwas schlauer und beruhigter gingen wir schlafen.


Tag 2 – „Muy rapido!“

Nachdem es uns doch sehr schwerfiel, den Klauen des Schlafes zu entkommen, schnappten wir uns bei Starbucks einen Kaffee und vor dem Prado ein Taxi und fuhren nach Majadahonda zum Cerro del Espino - Trainingsgelände. Die Mannschaft trainierte wie üblich auf dem großen hinteren Platz ganz nahe am Zaun, wo auch schon mehrere Dutzend Fans Stellung bezogen hatten. Nina und ich gesellten uns gerade dazu, als die Spieler einander lachend in den Armen lagen – ein Aufwärmspielchen, bei dem die Spieler nach Umherlaufen auf Zuruf Gruppen mit bestimmter Anzahl bilden sollten. Gute Stimmung also überall, auch Pepe „Pepito“ Murcia kam lachend herübergelaufen und grüßte die amüsierte Anhängerschaft. Weitere Übungen folgten, während denen Nina und ich unsere PACG-Fahne aufhängten. Als wir uns gerade darüber wunderten, dass Maxi und Ibagaza nicht mit der Mannschaft trainierten, wurden wir von einem japanischen Kamerateam angesprochen, die uns für die Berichterstattung zur Live-Übertragung des Derbys im japanischen TV interviewen wollten (wie ich zu meiner großen Freude später von Mario erfuhr, handelte es sich um Reporter vom Sender WoWoW, auf dem ich während meines Jahres in Tokyo jedes Wochenende die Primera División verfolgt hatte!!).
Maxi und Nina
Gabi und Hannah
Kurz vor Ende des Trainings, das auch für die Zuschauer sehr aufbauend gewirkt hatte, machten Nina und ich uns auf zum KIA-überfüllten Parkplatz, um dort auf die abfahrenden Spieler zu warten.
Ibagaza ließ es sich dort nicht nehmen, uns ein Dejà-Vue zu bescheren: Wie bei unserer Reise im September brauste der kleine Argentinier mit grimmigem Gesicht in seinem großen Sportwagen von dannen, ohne die Fans eines Blickes zu würdigen. In AS hatten wir zuvor schon gelesen, dass Ibagaza sich mit Muskelproblemen plagte – sein Abgang bestätigte uns in der Vermutung, dass er nicht würde spielen können.
Immerhin waren alle anderen Spieler so nett, sich viel Zeit für die Fanmassen zu nehmen und die Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen. So kamen Nina und ich auch zu einigen schönen Motiven fürs Fotoalbum und Ninas Trikot zu ein paar „Kritzeleien“ mehr. Maxi zeigte sich zwar auch enttäuscht, nicht im Derby spielen zu können, war trotzdem aber geduldig bei der Sache. Falcón hielt ein Coming-Out für uns bereit – hinten in seinem Kleinwagen entdeckte Nina einen Schal mit der Aufschrift „Cadiz a Primera – Oé!“ Im letzten Moment erwischten wir auch noch Luccin, der mit einem „Muy rapido“ auf den grinsenden Lippen wieder aus dem Wagen stieg, und so kam Nina dann doch noch zum Foto mit ihrem Lieblingsfranzosen.
Valera und Hannah
Pablo und Hannah
Gabi verblüffte mit einem dicken Cabrio und Armani-Pulli, Valera mit donjuaneskem Aussehen, Perea mit Zahnspange, und Manu wurde selbst verblüfft, als ihn ein paar Mädchen mit „Valera“ ansprachen – er reagierte nach einem Moment mit den Worten „No, soy Manu“. Eindeutiges Highlight war schließlich der Auftritt von Pablo, der sich sehr fanverbunden zeigte, trotz der vielen 12- und 13-jährigen Gören noch Raum für ein sehr nettes Gespräch mit uns fand, sich beim Anblick von Ninas PACG-Visitenkarte erstaunt an den Fanclub erinnerte, uns ein Interview am Montag oder Dienstag versprach und sich einen kleinen Klapser auf meinen Rücken nicht nehmen ließ. Nina musste mich anschließend mit Puddingbeinen von Pablo wegtransportieren. Abschließend stand bei Nina und mir das Fazit, dass sämtliche Atlético-Spieler einfach zu nett und zu schön für die böse Fußballwelt sind!
Nachdem wir endlichendlichendlich den passenden Bus zurück nach Madrid gefunden hatten (wo man für 1.85 Euro überall langfahren kann!), traf Nina an der Station Gregorio Marañon auch schon Sukis Vater, der uns die Karten fürs Bernabéu zukommen ließ.
Um den Tag gut abzuschließen, wollten Nina und ich noch etwas shoppen gehen, und so fanden wir uns am Plaza del Sol in verschiedenen Geschäften wieder – blieben allerdings erfolglos und genehmigten uns verwirrter und hungriger Weise „Essen“ bei McDonalds (natürlich nicht, ohne uns vorzunehmen, es beim nächsten Mal besser und vor allem spanischer zu machen!). Da es bei unserer Heimkehr schon dämmerte, dauerte es auch nicht lange, bis wir nach diesem ereignisreichen Tag erschöpft ins Bettchen fielen.


{BREAK} Tag 3 – „Also wir sind wir und Real sind die anderen, ok?“

Dieser Tag begann mit zwei Außergewöhnlichkeiten: Erstens fand das Spiel nicht wie bei den letzten beiden Aufenthalten sonntags, sondern samstags statt, und zweitens war der Hostal-Papa mal nett und bot uns Kaffee und Schokolade an. Dachten wir zumindest, bis er uns einen Wisch in die Hand drückte, der uns zum Verzerr oben genannter Fressbestände in einem Restaurant um die Ecke ermächtigte. So nahm Ninas und mein pre-partieöser Vormittag mit einem zuckrigen spanischen Frühstück seinen Beginn. Schweren Magens machten wir uns dann auf zur Gran Via, um H&M einen Besuch abzustatten. Nachdem Hannah aus vierzig anprobierten Kleidungsstücken zwei ausgesucht und Nina mit einer deutschsprachigen Spanierin Freundschaft geschlossen hatte, ging es auch schon zum Mittagessen zurück in die Calle de las Huertas, wo es Bocadillos gab. Um es spanischer zu machen als am Vortag, durfte die ordentliche Siesta natürlich nicht fehlen. Als wir wieder erwachten, war es auch schon Zeit zum Aufbrechen. Noch schnell zwei Lahmacun reingeschoben und auf zum Santiago Bernabéu!
im Bernabéu
Die Metro füllte sich zum Glück erst kurz vor dem angepeilten Ziel, dafür diskutierten Nina und ich aber über die gesamte Fahrt hinweg das Benutzen einer Codesprache, um nichts „auf die Fresse“ zu kriegen. Letztendlich stellten sich unsere Befürchtungen aber als vollkommen unbegründet heraus – saßen wir doch im Torre D über einer Eckfahne unter der Frente. An der Aussicht aus der ersten Reihe störte nur das angebrachte Sicherheitsnetz – und der hereinwehende Nieselregen. Die sich warmlaufenden Spieler wurden natürlich gleich mit Gegröle unterstützt.
Kaum, dass sich der Fanblock nach dem Anpfiff warmgesungen hatte, durften wir auch schon fluchen: Ronaldo-Ersatz (C)ass(ano) hatte aus heiterem Himmel getroffen. Aber da Atleti-Fans den frühen Real-Treffer ja schon gewöhnt sind, ließ sich die Frente nicht beirren und feuerte das Team weiter lautstark an. Rückschlag Nummer 2 folgte auf dem Fuße oder besser: In Valeras linkem Oberschenkel. Für den Verletzten kam Galletti auf den Platz, der auf der Real-Anzeigetafel als Manu betitelt wurde (wir wissen schon, wer auf der Bank saß und säuerlich äußerte, er sei Manu - hihi). Der unerschütterliche Einsatz der Atleti-Fans wurde in der 26. Minute dann endlich belohnt: Kezman lochte für Atleti ein!!! Die Frente, Nina und ich verstärkten unsere Dezibel-Abgabe. Erst ab Minute 33 merkte man, dass auf der anderen Stadionseite auch Real Fans mitgebracht hatte.

“Die rösten uns!“

Aber Real wäre nicht Real ohne den Hinterhalt: Unmerklich hatte man die Wärmestrahler an der Stadiondecke auf die höchste Stufe gedreht, um uns langsam zu rösten... Doch Rojiblancos wären keine Rojiblancos, wüssten sie darauf keine Antwort: Die Jungs von der Frente entledigten sich freudig ihrer Oberbekleidung, ohne dabei leiser zu singen. Sie gaben auch ein neues Liedchen zum Besten, das mit lauten Pfiffen seitens der Vikingos bedacht wurde (Nina und ich konnten den Inhalt leider nur aus der Reaktion deuten).
In der 39. Minute konnte Baptista dann zum 2:1 für die Weißen erhöhen. Die Rojiblancos spielten trotzdem weiter ihr Spiel, aber es mangelte einfach an der Ballverteilung im Mittelfeld. Gabi zeigte sich unsicher und drehte sich um die eigene Achse, anstatt schnell weiterzuleiten, was den Real-Spielern genug Zeit ließ, sich rojiblanco-blockierend zu positionieren. Obwohl Atlético endlich ein Gros an Angsthasigkeit dem Stadtrivalen gegenüber hatte abschütteln können, war nachwievor das Unvermögen im Abschluss zu bedauern.
Die zweite Hälfte ging leider torlos um, dafür bebte unsere Seite des Bernabéus bedenklich unter den Anfeuerungsrufen der Frente. Beide Daumen hoch für diese Unterstützung!!!
Nachdem wir das Stadion verlassen hatten, gingen wir zur Ausfahrt, wo auch schon der Atleti-Bus bereit stand, um seine müden Halb-Helden wieder einzuladen. Allzu lange mussten wir nicht warten, bald humpelte Valera im Trainingsanzug den Anstieg herauf und blieb, sich unterhaltend, eine ganze Weile nur wenige Meter entfernt stehen. Die wartenden Fans waren insgesamt erstaunlich ruhig.
Für die Überraschung des Abends sorgte Leo Franco: Nachdem Nina und ich ihn im Gegenlicht erst gar nicht erkennen konnten, entpuppte sich der langhaarige, auf uns zukommende Typ tatsächlich als unser Torhüter – der nur mit einem Trolley-Köfferchen bewaffnet einfach so aus den Toren spazierte und sich unbehelligt seinen Weg zum Taxi bahnte.
Der Rest der Rojiblancos tröpfelte langsam aber sicher ein und fuhr gemeinsam im Bus ab, während die Real-Spieler einzeln in ihren dicken Kutschen den Arbeitsplatz verließen. Einzig getoppt wurden die Schlitten noch von Enrique Cerezo, der seinen blitzenden Bentley sogar von einem Chauffeur fahren ließ (kein Wunder, dass der Verein Schulden hat).
Samstag Abend
Anschließend machten Nina und ich uns auf den (doch etwas längeren) Weg zu Mundo Deportivo-Reporter Mario, der uns auf „zwei, drei, vier oder fünf Drinks“ eingeladen hatte. Angekommen, lernten wir Marios chica Malte kennen, mit der wir gleich über meinen neuen Lieblingsspieler „Pabliiiiito“ ins Gespräch kamen. Mit Mario kamen wir zu der einstimmigen Meinung, dass Atletis Pressesprecher Antonio Sanz es sich langsam aber sicher mit den Fanclubs verscherzt – auch Mario muss, trotz seinem Zeitungshintergrund, schon seit Wochen auf ein Kezman-Interview warten. Nach reichlich Bier (beziehungsweise Cola für Nina und ihre angeschlagenen Nieren) ging es wieder hinaus in den stürmenden Regen, um uns fürsorglicherweise bei VIPS Nachos und Salat von Mario und Malte aufschwatzen zu lassen, mit der Bemerkung, wir würden viel zu wenig essen. Nach langen und heiteren Gesprächen bekamen wir noch Geld fürs Taxi in die Hand gedrückt und Küsschen rechts und links auf die Wangen, und dann fuhren wir zurück zur Calle de las Huertas, wo wir auch beinahe noch tanzen gegangen wären... hätte mein Alkoholpegel sich nicht schon wieder dem Nullpegel genähert. Auf leisen Sohlen (sofern das bei meinen Absätzen möglich war) schlichen wir uns in unser Zimmer und schliefen auch sofort ein.


Tag 4 – „A lazy sunday afternoon“

unsere Heimat
Der Tag begann viel zu früh mit Lärm an der Rezeption – also fast direkt neben unseren Köpfen. Dementsprechend ausgelaugt starteten wir dann auch zu Starbucks, wo es zum Glück Aufbau-Koffein gab und wir unsere Gedanken noch etwas weiter am Tourbericht abwetzen konnten. Dann fuhren wir mit der Metro in Richtung Vicente Calderón, wo wir Dave trafen und mit ihm in einem kleinen Restaurant Hamburger aßen und Premiere League schauten, da die Esquina del Calderon geschlossen hatte. Dave hielt dann auch das Tagesmotto für uns bereit, nachdem wir uns ein bisschen angeschwiegen hatten: „A lazy sunday afternoon, ha?“
Das sahen die Hostal-Mitbewohner allerdings anders, denn die spielten, als wir wieder zurückkamen, auf fürchterlichste Art und Weise Gitarre und sangen nicht minder schrecklich dazu. Ich gebe zu, dass ich ziemlich sauer war, um meinen Nachmittagsschlaf gebracht worden zu sein! Die Folge war ein an die Decke geworfener Schuh. Ab diesem Moment nahmen Nina und ich uns vor, ab jetzt auch keine Rücksicht mehr walten zu lassen. Gesagt, getan, stellten wir meinen Laptop auf volle Lautstärke und hörten ein bisschen Danko Jones.
Abends gabs dann im Pub Malaga gegen Valencia. Das Spiel ließ sich am ehesten mit „flottes Draufkloppen“ beschreiben – eine Chance jagte die andere, Lattenschuss reihte sich an Lattenschuss, aber keine von beiden Mannschaften schaffte auch nur ein Tor. Danach versuchten wir mal wieder zu schlafen – es blieb beim kläglichen Versuch... Danke an die Rezeption.


{BREAK} Tag 5 – „Achja, ein Spiegel im Rahmen! Ich hab mich schon gefragt, wann der kommt.“

Sportsbar im Stadion
Nachdem Nina mir ein wenig Quality-Time (Quality = Zehn Minuten eingeseift in der Wanne sitzen und auf warmes Wasser warten) gönnte und sich am Königspalast verlustiert hatte, ging es auch gleich hoch-kulturell weiter. Gemeinsam machten wir uns mit Zuckerdonuts auf zum Museo de Reina Sofía. Zu bestaunen gab es Kunstwerke der Moderne, besonders spanische – da durften natürlich auch Picasso, Miró und Dalí nicht fehlen. Also renkten wir uns den Nacken vor „Guernica“ aus, entdeckten groteske Bronzestatuen und fokusierten Details zwischen fließenden Uhren und Frauen mit Schubladen im Bauch. Nachdem uns vor lauter Kunst nicht mehr einfiel, wie das Kunst-Overflow-Syndrom denn nun genau heißt, machten wir uns mit der Metro auf den Weg zum Atleti-Fanshop, wo wir eine Stunde lang reduzierte Trikots durch unsere Finger gleiten ließen und uns Kinder in Atleti-Stramplern vorstellten. Letztendlich gönnte sich Nina ein rotes Fan-Shirt und ich kam zu einem neuen Mousepad und einem Feuerzeug.
Dann trauten wir uns in die dunklen Tiefen der neuen Atlético-Bar unten im Stadion. Jeder Schritt wurde natürlich per Kamera festgehalten, bis wir an der langgestreckten Bar endlich zum ersten Kaffee des Tages kamen – den wir zuguterletzt sogar vom Barkeeper spendiert bekamen, nachdem uns dieser eine Weile beim Postkarten schreiben beobachtet hatte. Um uns herum wurden derweil die Tische in Rot und Weiß gedeckt – eine wahre Freude für das Fanauge und jedem Rojiblanco nur zu empfehlen (Nebenbei: Auch ist die Bar nicht allzu teuer. Der Preis des Tagesmenüs lag bei etwa 10 Euro)! Wie Dave uns später erzählte, hatte er dort auch schon Perea und Pantic getroffen.
Starbucks
Anschließend, weil das bei keinem Madridtrip fehlen darf, statteten wir dem Vicente Calderón noch einen Besuch ab. Also standen wir ganz alleine kurz vor dem heiligen Spielfeld – und stellten fest, dass wir gar nicht so alleine waren: Um uns herum wimmelte es von Vögeln, die die Pipas (Sonnenblumenkerne) um die Sitzreihen herum wegpickten. Eine Katze auf der Pirsch setzte dem Ganzen die Krone auf. Entsetzt machten wir noch ein paar Fotos von dem zoologischen Tohuwabohu und uns und verließen dann unser dreckiges Stadion.
Zurück im Hostal versuchten wir uns an einem Nickerchen. Nein, ihr braucht nicht zu raten: Wir sagen euch auch so, dass das natürlich nicht klappte. Da der Wahnsinn dem Wahnsinnigen auch immer willkommen ist, war es für mich an der Zeit, einen kleinen Anfall zu bekommen, zappelnd im Bett zu liegen und die Gitarre-Spielenden, das Hostal und Madrid für seine Lärmlastigkeit zu verfluchen.
Nina schleppte mich also erst einmal zu Starbucks, wo mir Koffein das Gehirn freiwusch und ich mich kreativ an meinen Exposees für die Universität abreagierte. Nach zwei Stunden ging es schließlich zum großen Abschlussessen ins „La Sanabresa“, wo es für Nina Lachs gab und für mich einen großen Salat mit Gambas-Tortilla – sowie herrliches Tiramisu zum Nachtisch.
Um Mitternacht musste ich dann doch noch einen Stock weiter nach oben laufen, und, weil mir niemand öffnete, eine Tube Creme an die Decke werfen, um gewisse Menschen am Gitarrespielen zu hindern.


Tag 6 – „Ist ja wie im Adventure Park!“

Halbtot, aber wach, machten wir uns auf, um noch einmal zum Training zu fahren. In Majadahonda trafen wir auch Dave, der uns beim Übersetzen des mit Pablo abgemachten Interviews helfen sollte. Dave, der vorher noch nie am Cerro del Espino gewesen war, zeigte sich hochbegeistert über die Nähe zu den Spielern. Zunächst beobachteten wir wieder das Training, gingen dann aber nach oben, wo diesmal weniger Fans warteten als am Dienstag – wir aber auf alte (bzw. junge) Bekannte trafen: Drei der Fanmädchen standen wieder sehnsüchtig am Zaun, in ihren Hände ganze Kataloge mit Spielerbildern und Autogrammen.
Kezman und Nina
Perea Bros.
Bald darauf tauchten auch die ersten Spieler aus den Umkleidekabinen auf. Pablo schlappte in Badelatschen über den Parkplatz in Richtung Presseraum und blieb dort erstmal verschwunden, während wir schon Valera, Gabi, Galletti, Maxi und Kezman verabschieden durften. Alle Spieler trugen große schwarze Einkaufstaschen bei sich, auf denen wir den Hugo Boss-Schriftzug erspähen konnten (wie Nina später herausfand, handelte es sich um eine neue Sponsorschaft). Anschließend verließ auch Perea mit seinem jüngeren Bruder Obed, der ein Schnuppertraining bei Atleti hatte machen dürfen, den Platz. Auf unsere Anfrage hin posierten beide zusammen für unsere Kamera. So kamen wir noch an unser Exklusivfoto, das wir unbedingt hatten machen wollen, nachdem wir Obed ja schon gesehen und in AS über ihn gelesen hatten. Zwischendurch duckten wir uns, wenn wir Antonio Sanz in der Nähe erspähten, um ja nicht zu sehr aufzufallen.
Leo Franco war der nächste, der sich noch Zeit für Fotos mit den Fanmädchen nahm – und sie auch gleich fragte, ob sie denn keine Schule hätten. Die drei behaupteten, es wäre ihr freier Tag, woraufhin Leo kopfschüttelnd zurück zu seinem Auto lief und sich dabei etwas wie „Diese Eltern heutzutage“ in den Dreitagebart murmelte. Beide Daumen hoch für diesen Mann!!!
Während wir weiter auf Pablo warteten, um ihn zu interviewen, beendete auch die B-Mannschaft ihr Freundschaftsspiel gegen die aus England eingeflogenen Gäste. Nina knipste vorsorglich Bilder vom B-Team-Torwart, denn die erste Mannschaft hat in letzter Zeit ja einige „letzte Männer“ verschlissen und Nachschub aus der B geholt...
Dann war es endlich soweit: Interview-Objekt Pablo machte sich auf den Weg zu seinem Wagen. Kurz bevor er jedoch aus der Ausfahrt fahren konnte, hielt ihn Antonio Sanz an und sprach eine gute Minute durchs Fenster mit dem Spieler. Als Pablo dann oben halten wollte, um noch ein paar Autogramme zu geben und Dave ihm zurief, was nun mit dem Interview sei, kam die gerufene Anweisung, Pablo solle nicht anhalten, sondern gleich die Straße rechts runter fahren. Der sichtlich genervte Abwehrmann bog also gleich ab und war nach dreißig Sekunden dank Staub aufwirbelnder Reifen und einer Abkürzung nicht mehr zu sehen. Dave, Nina und ich standen also noch fünf Minuten enttäuscht und verärgert am Trainingsplatz, bevor wir uns entschieden, den nächsten Bus zu nehmen, da die Zeit auch schon fortgeschritten und es bekanntlich Ninas und mein Rückflugtag war.
Im Bus fielen mir dann das erste Mal die Bremshuppel auf der Straße auf, denn hinten im Bus schleuderte es doch mehr als sonst vorne. Dave, Nina und ich hatten also wenigstens noch ein bisschen Spaß. Am Bahnhof in Majadahonda verabschiedeten wir uns dann von Dave.
Zurück in der Innenstadt setzten Nina und ich uns erst ins „La Sanabresa“, wo es diesmal den Ensalada especial und Hühnchenbrust im Käse-Paniermantel mit Patatas fritas. Zum Kaffee trinken gings dann ein letztes Mal zu Starbucks, wo wir direkt am Fenster saßen und einen gebührenden Abschiedsblick auf den Neptuno-Brunnen genießen konnten.

Zur letztendlichen Heimreise sollte nicht allzuviel gesagt werden, außer, dass wir insgesamt 18 Stunden brauchten, um zuhause endlich in unsere eigenen Betten fallen zu können. Abgesehen von diesem Wahnsinnstrip hatten wir aber eine superschöne, zweisamtraute Zeit in Madrid und jede Menge unvergessliche Momente mit Atlético!!! Aupa Atleti und jederzeit wieder!!!!!
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